08.06.16
SIHK zu Hagen
Rückblick

Kongress Industrie 4.0 2016

Rückblick auf den Kongress 2016
Veranstaltungsinformationen
Grußwort
Programm
Projekt Mittelstand 4.0 in Südwestfalen

Kongress: Industrie 4.0 – Perspektiven für den Mittelstand

Rückblick auf den Kongress 2016

Unternehmen brauchen „digitalen Schatten“

Den 150 Teilnehmer beim Industrie 4.0-Kongress wurde klar: Die Veränderungen in der Arbeitswelt sind eine zentrale Steuerungsgröße für den Erfolg der digitalen Transformation und man muss auch die eigenen Mitarbeiter für Industrie 4.0 begeistern, um erfolgreich zu sein.

„Wir wollen in NRW bei der Digitalisierung an der Spitze der Entwicklung stehen“, dieses Ziel formulierte Dr. Günther Horzetzky, Staatssekretär im NRW-Wirtschaftsministerium, zu Beginn des Industrie 4.0-Kongresses in der SIHK zu Hagen. Die Veranstaltung war der Auftakt für das vom Land NRW und der EU geförderte Projekt „Mittelstand 4.0 Südwestfalen“. „Es geht um grundlegende technologische Entwicklungen und die künftige Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft.

Dr. Günther Horzetzky, Staatssekretär im NRW-Wirtschaftsministerium, und SIHK-Präsident Harald Rutenbeck

Wir müssen verhindern, dass es innerhalb der Industrie zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft kommt: die einen, die das moderne Instrumentarium der Digitalisierung nutzen und ihre Wettbewerbsposition stärken und die anderen, die sich nicht mit den neuen technischen und organisatorischen Möglichkeiten auseinandersetzen und Gefahr laufen, vom Wettbewerb abgehängt zu werden,“ betont SIHK-Präsident Harald Rutenbeck.

 

Unter Federführung der SIHK zu Hagen werden daher in den nächsten drei Jahren gemeinsam mit der IHK Arnsberg und der Fachhochschule Südwestfalen sowie der Hochschule Hamm-Lippstadt eine Reihe von Unterstützungsmaßnahmen für Unternehmen auf dem Weg in die Digitalisierung angeboten.

Vernetzen bietet große Chancen

Im Zusammenhang mit Industrie 4.0 wird oft diskutiert, ob es sich wirklich um eine Revolution handelt. Prof. Dr. Günther Schuh, Geschäftsführender Direktor des Werkzeugmaschinenlabors an der RWTH Aachen, sprach eher von einer Evolution. Er betonte aber gleichzeitig, dass die Unternehmen vor den gravierendsten Änderungen der letzten 40 Jahre in der Produktion stehen. Die Vernetzung und Kommunikation in Echtzeit bietet große Chancen. Der Mittelstand sei gut beraten, sich auf den Weg zu Industrie 4.0 zu machen.

Prof. Dr. Günther Schuh, Geschäftsführender Direktor des Werkzeugmaschinenlabors an der RWTH Aachen

„Schaffen Sie einen digitalen Schatten ihrer Produktion“, appelliert Prof. Schuh an die Teilnehmer. Der reale Produktionsprozess soll digital abgebildet und gesteuert werden. Dazu ist zunächst eine Bestandsaufnahme und Zusammenführung der vorhandenen Daten erforderlich. Datenlücken können durch das Nachrüsten entsprechender Sensorik geschlossen werden. Anschließend steht die Datenauswertung auf dem Programm. Ähnlich einer Blackbox im Flugzeug werden, alle relevanten Daten aufgezeichnet und ermöglichen bei Störungen eine schnelle Ursachenanalyse.

IT-Sicherheit und Datenschutz
Wo Licht ist, da ist auch Schatten: Bei der Industrie 4.0 betrifft dies insbesondere die Frage der Datensicherheit und des Datenschutzes. Markus Grüneberg von der ESET Deutschland GmbH lieferte daher einen Überblick zu den „Daten im Zeitalter 4.0“: Durch die zunehmende Vernetzung wachsen die Datenbestände – ob von Maschinen oder Kunden – rasant an und werden immer mehr zur Handelsware, die es nicht nur zu nutzen sondern auch zu schützen gilt.

Wie dies geschehen kann zeigte dann Prof. Dr.-Ing. Jan Pelzl von der Hochschule Hamm-Lippstadt, der verschiedene Wege zur Absicherung der eigenen Datenbestände in Zeiten sich weiterentwickelnder Bedrohungsszenarien aufzeigte. Am Anfang eines Digitalisierungsprojektes sollte auf jeden Fall eine Risikoanalyse stehen.

Auditorium des Kongresses

Mitarbeiter für Industrie 4.0 begeistern
Prof. Dr.-Ing. Jürgen Jasperneite, Leiter des Fraunhofer-Anwendungszentrums Industrial Automation, nannte als wesentliche Merkmale von Industrie 4.0 Selbstkonfiguration, Selbstoptimierung und Selbstdiagnose. Industrie 4.0 ziele in drei Richtungen: Technologieführerschaft, Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle und die Gestaltung einer neuen Arbeitswelt. „Intelligente technische Systeme interagieren mit dem Umfeld, passen sich durch Lernen ihrer Umgebung an und sind benutzerfreundlich“, so Prof. Jasperneite.

Die Veränderungen in der Arbeitswelt sind eine zentrale Steuerungsgröße für den Erfolg der digitalen Transformation. „Sie müssen die Mitarbeiter für Industrie 4.0 begeistern“, appelliert Prof. Olesch, Geschäftsführer für Personal, Informatik und Recht bei Phoenix Contact an die Teilnehmer. „Die Transformation kann nur gemeinsam mit den Menschen gelingen.“ Einen Gestaltungsauftrag im Rahmen der Digitalisierung sieht auch Gabi Schilling, IG Metall Bezirksleitung NRW.

Prof. Olesch, Geschäftsführer für Personal, Informatik und Recht bei Phoenix Contact

Sie betont insbesondere den hohen Bedarf an Qualifizierung und Weiterbildung. „Von einer größeren Flexibilität der Arbeitszeiten können sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber profitieren“, betont Stefan Schmidt, Geschäftsführer am Kunststoff-Institut Lüdenscheid und berichtet über positive Erfahrungen.
„Warten Sie nicht, sondern beginnen Sie jetzt mit dem Projekt Industrie 4.0“, so der Rat von Prof. Olesch.

Podiumsdiskussion zur Arbeitwelt 4.0

Industrie 4.0 zum Anfassen

Neben den Vorträgen gehört die Begleitausstellung zum essentiellen Bestandteil des Industrie 4.0-Kongresses. Neben intensiven Gesprächen mit Experten wurde auch Industrie 4.0 zum Anfassen geboten.

Begleitausstellung des Kongresses

So präsentierte Mohammad Mehdi Moniri vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz das Projekt „EyeBots“, eine Virtual Reality Anwendung für Mensch-Robote-Interaktion: Die Kongressteilnehmer konnten mittels VR-Brille in ein virtuelles Abbild der Arbeitsumgebung des Institutes in Saarbrücken eintauchen und den dort real aufgebauten Roboter über das Internet fernsteuern. So könnte man z.B. in Zukunft Experten den weltweiten Zugriff auf Produktionsumgebungen ermöglichen.

Projekt „EyeBots“ vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz

Dies ist nur ein Beispiel, welche Möglichkeiten die Digitalisierung im produzierenden Gewerbe mit sich bringt. Viele weitere zeigte Ingo Notthoff, Leiter Marketing der T-Systems Multimedia Solutions GmbH & Sprecher Forum Digitale Transformation & IoT im BVDW, in seinem Vortag „Digitale Strategien für Industrieunternehmen“. Letztlich werde jedes Unternehmen früher oder später zu einem Technologieunternehmen, entscheidend sei, dass man bei der Digitalen Transformation strategisch vorgehe und die kritischen Erfolgsfaktoren berücksichtigt.
Dass dafür nicht unbedingt neue Technik angeschafft werden muss, zeigte Bernhard Rohe, Geschäftsführer der ViewSystems Gesellschaft für Industrie-Informationssysteme mbH. Sein Unternehmen hat quasi einen Adapter entwickelt, um Informationen aus verschiedenen Maschinen-steuerungen auszulesen und in die PC-Welt zu transformieren. So lässt sich mit der Software-Platform IndustryView SF eine Industrie 4.0 – fähige Produktion simulieren, die in der Realität dazu tatsächlich noch nicht in der Lage ist.
Weitere Möglichkeiten zur Digitalisierung bestehender Produktionsumgebungen demonstrierte Jörg Walther von der Intel Corporation EMEA. So gibt es z.B. inzwischen streichholzschachtelgroße Sensoren, die die Vibrationen von Maschinen erfassen und bei Abweichungen von der Norm einen Warnhinweis abschicken „Das ist ähnlich wie bei einem Mechaniker, der durch das Geräusch eines Oldtimer-Motors ein defektes Ventil aufspürt.“

Veranstaltungsinformationen

Termin: 8. Juni 2016
Dauer: 10:00 – 17:00 Uhr
Veranstalter: SIHK zu Hagen, IHK Arnsberg
Veranstaltungsort: SIHK zu Hagen, Bahnhofstr. 18, 58095 Hagen
Die Teilnahme an der Veranstaltung war kostenfrei.

Grußwort

Sehr geehrte Damen und Herren,
die Digitalisierung der Wirtschaft bietet große Chancen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. Allerdings gibt es noch viele offene Fragen in Bezug auf die konkrete betriebliche Umsetzung.
Wir möchten Sie praxisnah informieren und aufzeigen, wie Sie von den technologischen und organisatorischen Veränderungen profitieren können. Anerkannte Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft werden Fragen der strategischen Positionierung und konkrete Anwendungsbeispiele aus der betrieblichen Praxis darstellen. Weitere zentrale Themenbereiche sind die IT-Sicherheit und die Veränderungen in der Arbeitswelt, die aus unterschiedlichen Perspektiven diskutiert werden.
In einer begleitenden Ausstellung präsentieren sich Kompetenzträger rund um die Digitalisierung.
Gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern geben wir Ihnen Orientierung im spannenden Zukunftsfeld „Industrie 4.0“.
Harald Rutenbeck, Präsident
Dr. h. c. Hans-Peter Rapp-Frick, Hauptgeschäftsführer

Programm

10:00 Uhr: Begrüßung

Harald Rutenbeck, Präsident der SIHK zu Hagen
Dr. Günther Horzetsky, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen

10:20 Uhr: Keynote

Industrie 4.0 im Mittelstand – Chance oder Risiko?
Prof. Dr.-Ing. Dipl.-Wirt. Ing. Günther Schuh, Werkzeugmaschinenlabor RWTH Aachen (WZL)

11:00 Uhr: Anwendungsbeispiele

Industrie 4.0 – Lösungen für den Mittelstand aus dem Spitzencluster it’s OWL
Prof. Dr.-Ing. Jürgen Jasperneite, Fraunhofer Anwendungszentrum Industrial Automation Lemgo

Digitale Strategien für Industrieunternehmen
Ingo Notthoff, T-Systems Multimedia Solutions & BVDW Bundesverband Digitale Wirtschaft e.V

12:15 Uhr: Mittagspause & Besuch der Ausstellung

13:15 Uhr: IT-Sicherheit/Datenschutz

Daten im Zeitalter 4.0
Markus Grüneberg, ESET Deutschland GmbH

Safety und Security für Industrie 4.0
Prof. Dr.-Ing. Jan Pelzl, Hochschule Hamm-Lippstadt

14:00 Uhr: Arbeitswelt/Qualifizierung

Mitarbeiter für Industrie 4.0 begeistern
Prof. Dr. Gunther Olesch, Phoenix Contact

Arbeitswelt 4.0 aktiv gestalten
Gabi Schilling, IG Metall Bezirksleitung NRW

Podiumsdiskussion
• Stefan Schmidt, Kunststoff-Institut Lüdenscheid
• Gabi Schilling
• Prof. Dr. Gunther Olesch

15:15 Uhr: Kaffeepause & Besuch der Ausstellung

15:45 Uhr: Assistenzsysteme

Tracobin & Co.: Logistik-Systeme 4.0
Jörg Walther, Intel Deutschland GmbH

EyeBots: Roboter mit Virtual Reality fernsteuern
Mohammad Mehdi Moniri, Deutsches Forschungszentrum für künstliche Intelligenz

Industrie 4.0 in der bestehenden Fertigungsumgebung
Bernhard Rohe, ViewSystems GmbH

Multicopter und Drohnen im Business-Einsatz
Carsten Engel, E-Komm – IT & Kommunikation

16:45 Uhr: Übergang zum Networking

Projekt Mittelstand 4.0 in Südwestfalen

Die Industrie- und Handelskammern Arnsberg und Hagen haben gemeinsam mit der Fachhochschule Südwestfalen und der Hochschule Hamm-Lippstadt das Projekt „Mittelstand 4.0 Südwestfalen“ entwickelt. Ziel des Projektes ist es, die Unternehmen der Region für das Thema „Industrie 4.0“ zu sensibilisieren, praxisnah zu informieren und Verbundprojekte zu initiieren, damit sich die Unternehmen rechtzeitig auf die anstehenden technologischen und organisatorischen Veränderungen einstellen und die Chancen der zunehmenden Digitalisierung nutzen können. Im Rahmen des Projektes ist eine konkrete Zusammenarbeit mit dem Spitzencluster Intelligente Technische Systeme OstWestfalenLippe (it’s owl) vereinbart.
Das Projekt wird von der Europäischen Union aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) und vom Land Nordrhein-Westfalen gefördert.