Industrie 4.0 in Südwestfalen

3. Februar 2016

Einleitung

„Industrie 4.0“-Umfrage der IHKs Arnsberg, Hagen und Siegen im Frühjahr 2015
Die mittelständischen Unternehmen in Südwestfalen sehen „Industrie 4.0“, die digitale Vernetzung in der Produktion, als Chance für die Unternehmensentwicklung. Die Mehrzahl der Unternehmen, die an einer Befragung der Industrie- und Handelskammern Arnsberg, Hagen und Siegen teilgenommen haben, erwartet vor allem eine Erhöhung der Produktivität und bessere Möglichkeiten der Flexibilisierung in der Produktion. Damit könnte den Wünschen der Kunden nach Individualisierung der Produkte besser und kostengünstiger nachgekommen werden.
„Die neuen technologischen Möglichkeiten können maßgeblich zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und vor allem zur Sicherung des Produktionsstandortes Südwestfalen beitragen“, betont Andreas Lux, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammern zu Hagen.
Die ausführlichen Ergebnisse der Umfrage finden Sie auf den folgenden Webseiten. Sie können sich den Fragebogen und die Auswertung gerne als PFDs herunterladen, die Links finden Sie in der rechts. Hier finden Sie auch einen Link zur Online-Umfrage, bei der Sie sich weiterhin gerne beteiligen können.

 

Teilnehmer der Umfrage

An der Umfrage der Industrie- und Handelskammern Arnsberg und Siegen im Frühjahr 2015 haben sich 184 Unternehmen des Produzierenden Gewerbes beteiligt. Diese beschäftigen zusammen etwa 79.000 Mitarbeiter.
Jedes vierte Unternehmen kommt aus der Automotive-Industrie. An zweiter Stelle bei der Umfragebeteiligung liegt der Maschinen- und Anlagenbau, gefolgt von Unternehmen der Gebäudetechnik.
Teilgenommen haben Unternehmen aller Betriebsgrößenklassen. Dabei sind die Unter­nehmen mit 20 bis 49 Mitarbeitern am stärksten vertreten (31Prozent). Die zweitstärkste Gruppe sind die Unternehmen mit 100 bis 200 Beschäftigten (19 Prozent).

 

Vorbereitungsstand in Südwestfalen

Im Rahmen der Umfrage haben etwas mehr als die Hälfte der Unternehmen (57 Prozent) erklärt, dass sie sich bereits mit dem Thema „Industrie 4.0“ befassen.
Der Schwerpunkt liegt bisher auf der Informations­beschaffung, wie zwei Drittel aller Unternehmen angaben. Viele Unternehmen stehen bei „Industrie 4.0“ noch am Anfang der Entwicklung. Es wird deutlich, dass nach wie vor ein hoher Informations­bedarf bei dem Thema besteht.
Allerdings haben sich auch schon einige Unternehmen auf den Weg gemacht und arbeiten ganz konkret an der Umsetzung von „Industrie 4.0“ in der betrieblichen Praxis.
Etwa ein Drittel der Unternehmen, die sich an der Umfrage beteiligt haben, setzen bereits Umsetzungsprojekte in der eigenen Produktion um. Außerdem hat jedes fünfte Unternehmen Entwicklungsprojekte zu „Industrie 4.0“ initiiert oder arbeitet an der Erschließung neuer Geschäftsfelder mit Hilfe der neuen Technologien.

 

Bedeutung für den Mittelstand

Jedes zweite Unternehmen schätzt die gesamtwirtschaftliche Bedeutung von „Industrie 4.0“ als hoch oder sehr hoch ein. Für das eigene Unternehmen wird der Stellenwert nicht ganz so hoch gesehen. Hier liegt der Vergleichswert bei knapp unter 30 Prozent. Damit zeigt sich, dass es noch an konkreten Anwendungsfällen von „Industrie 4.0“ für den Mittelstand fehlt und der Nutzen vielfach noch nicht eingeschätzt werden kann.

Insgesamt wird das Thema „Industrie 4.0“ von der heimischen Industrie aber positiv bewertet. Auf die Frage, ob „Industrie 4.0“ eher eine Chance oder eher ein Risiko darstellt, hat etwa die Hälfte geantwortet, dass sie eindeutig eine Chance sehen, während nur vier Prozent der Unternehmen überwiegend Risiken befürchtet. Von besonderer Bedeutung ist Industrie 4.0 für die Unternehmen in erster Linie hinsichtlich der Verbesserung der Produktivität. An zweiter Stelle folgt dann die weitere Flexibilisierung der Produktion gleichauf mit Effizienzsteigerungen im Einkauf und im Verkauf.

Ein hoher Anteil der Unternehmen, die sowohl Chancen als auch Risiken sehen, weist darauf hin, dass es nach wie vor noch viele offene Fragen gibt.

 

Auswirkungen auf Unternehmensprozesse und Beschäftigte

Im Rahmen der Umfrage wurde auch nach dem Einfluss der Digitalisierung auf die Geschäfts- und Arbeitsprozesse im Unternehmen gefragt. Zunächst gehen drei Viertel der Unternehmen von einem zunehmenden Informationsbedarf aus. Sehr deutlich zeichnet sich auch eine Erhöhung des Weiterbildungsbedarfs ab (84 Prozent der Teilnehmer). Darüber hinaus wird der Investitionsbedarf gravierend zunehmen, wie drei Viertel der Unternehmen erwarten.

Zwei Drittel der Unternehmen erwarten derzeit keine Auswirkungen der digitalen Vernetzung auf die Beschäftigung. Vielmehr sehen die Unternehmen es als vordringliche Aufgabe an, die Akzeptanz für neue Technologien und Geschäftsmodelle bei den Mitarbeitern zu fördern und die Qualifizierung – insbesondere im Umgang mit spezifischen IT-System und übergreifenden Prozessen – auszubauen.

Hoher Qualifizierungsbedarf wird vor allem im Umgang mit spezifischen IT-Systemen und beim erforderlichen Prozess Know-how gesehen.

 

Hemmnisse für die Umsetzung

Hemmnisse für die Einführung von Industrie 4.0 sind derzeit neben den hohen  Anforderungen an die IT-Sicherheit vor allem hohe Investitionskosten und die als unzureichend eingestuften Kompetenzen der Mitarbeiter. Auch hohe Risiken im Bereich des Vertragsrechts stellen eine Hürde dar. Außerdem wirft der Datenschutz insbesondere bei unternehmensübergreifenden Prozessen noch viele Fragen auf.
Fast 40 Prozent der Unternehmen beklagen eine unzureichende Breitbandanbindung, so dass die infrastrukturellen Voraussetzung für die Nutzung von „Industrie 4.0“-Technologien in vielen Bereichen Südwestfalens noch nicht gegeben sind.

 

Unterstützungsbedarfe

Die IHKs möchten die Umsetzung von Industrie 4.0 im Mittelstand künftig gezielt unterstützen und haben nach entsprechenden Maßnahmen gefragt. Etwa zwei Drittel der Unternehmen sind vor allem an Informationsveranstaltungen interessiert. Außerdem besteht bei der Mehrzahl der Unternehmen (60 Prozent) großes Interesse an einem Erfahrungsaustausch. Darüber hinaus sehen die Unternehmen einen hohen Bedarf an Qualifizierungsmaßnahmen. Jedes vierte Unternehmen, das sich beteiligt hat, signalisiert ein großes Interesse an Entwicklungsprojekten mit regionalen Hochschulen.

Auf die Frage nach besonders interessanten Querschnittsthemen stehen die intelligente Vernetzung (61 Prozent) und die Mensch-Maschine-Interaktion (45 Prozent) sowie die Selbstoptimierung von Maschinen besonders im Fokus. Auch die Datensicherheit wird als vordringliches Thema gesehen.
Was eine branchenbezogene Zusammenarbeit angeht, so wurde das größte Interesse aus der Automotive-lndustrie (28 Prozent) und dem Maschinenbau (29 Prozent) gemeldet.